Zuoz gilt als Wiege der geschriebenen rätoromanischen Sprache. 1527 publizierte der Zuozer Jurist, Politiker und Diplomat Gian Travers sein Epos «Chianzun da la guerra dagl Chiastè da Müs» und legte damit den Grundstein für die rätoromanische Literatur. 1534 folgte das erste biblische Freilichtspiel und im Laufe der Jahrhunderte kamen diverse hinzu. Zuoz darf somit auf ein halbes Jahrtausend Tradition und lebendige Sprachkultur zurückblicken.
Diese langjährige Geschichte bildet den Ansporn, eine weiteres Kapitel hinzuzufügen und zusammen mit der Bevölkerung das Bewusstsein für die romanische Identität zu stärken. Romanisch als Sprache einer kleinen Minderheit ist mehr denn je unter Druck und braucht neue Impulse, um auch in Zukunft ein lebendiger Teil der romanischen Kultur zu bleiben.
Im Sommer 2027 feiert Zuoz dieses besondere Jubiläum mit einem ganzen Strauss von Aktivitäten, wobei das Freilichtspiel «Battibuogl» im Zentrum steht.
Der Höhepunkt: Das Freilichtspiel «Battibuogl»
Die Hauptattraktion von 500 ans lingua scritta bildet das Freilichtspiel auf dem historischen Dorfplatz von Zuoz. Die geplanten 8 bis 10 Aufführungen zwischen dem 30. Juli und dem 15. August 2027 werden das Dorf in ein Zentrum der romanischen Kultur verwandeln und über die Region hinausstrahlen.
© Ivo Illuminato Andri
Das Stück: Battibuogl

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Battibuogl ist das romanische Wort für Durcheinander. Zentrale Figur des Freilichtspiels ist die junge Ana. Sie verkörpert die (bedrohte) romanische Sprache. In der Wahrnehmung von Ana verhält sich die Sprache nicht mehr so wie früher. Sie ächzt, rumpelt und sorgt für Schwindel. Ana fällt zu Beginn des Stücks in eine lebensbedrohliche Krise. Ihre verzweifelten Freunde rufen den Geist von Gian Travers zu Hilfe und machen sich auf die Suche nach dem weisen Riesen Sami, der inkognito im Dorf lebt. Gemeinsam gelingt es ihnen, die Quelle des Battibuogls zu finden und die romanische Sprache – und mit ihr Ana – zu befreien.

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Auf symbolische Weise und in packenden Szenen macht das Freilichtspiel erlebbar, wie eine Sprache Unterstützung und Luft zum Atmen braucht, um sich dynamisch entwickeln zu können. Rätoromanisch war bis vor 500 Jahren eine rein gesprochene Sprache mit vielen regionalen Idiomen. Damals stand das Lied «Chianzun da la guerra dagl Chiastè da Müs» als erstes literarisches Werk im Fokus. Im Freilichtspiel entdecken und singen alle Beteiligten das neue Lied, das Herzen und Zukunftsperspektiven öffnen soll.
Die romanische Kultur hat sich über tausende von Jahren entwickelt und hat viele Herausforderungen bewältigt. Um die romanische Sprache als lebendiges Kulturgut zu erhalten und weiterzuentwickeln, braucht es die Unterstützung von uns allen. Wir sind gefordert, die Quelle des Battibuogls zu finden und zu befreien. Indem wir das neue Lied finden und gemeinsam singen, öffnen wir das Tor zur Zukunft. Unsere romanische Identität schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und gibt uns Kraft für die Bewältigung künftiger Herausforderungen.
Informationen zu «Battibuogl»
Autorin des Stücks
Autorin des Stücks ist die romanische Schriftstellerin Gianna Olinda Cadonau. Sie leitet bei der Lia Rumantscha die Kulturförderung und ist Mitglied der Kulturkommissionen des Kantons Graubünden und der Stadt Chur. Unterstützt wird sie vom Schriftsteller, Theaterregisseur und Dramaturgen Lukas Bärfuss, von der Tanzdramaturgin Selina Beghetto sowie vom Lokalchronisten Lucian Schucan. 
© Mayk Wendt
Regie

© Mayk Wendt
Regie führt Ivo Bärtsch. Er lebt mit seiner Familie in Zuoz und verfügt als Leiter des Theaters Zuoz Globe am Lyceum Alpinum sowie als Regisseur von zahlreichen Theater- und Opernprojekten über ideale Voraussetzungen für die Umsetzung des Freilichtspiels.
Musikalische Leitung
Das Theaterensemble wird ergänzt durch einen Chor, der teilweise mit gesprochenem Text auch einen Beitrag zur Entwicklung des Stücks leistet. Musikalischer Leiter ist Chasper Curò Mani.